Die Badisch gut leben Geheimformel für Weinbeschreibung

Geposted von Fabienne Bürkin am

Gehörst du zu den Weinprofis hier oder bist du schlicht ein:e Genießer:in? Wenn es dir schwer fällt, einen Wein in Worte zu fassen, ist dieser Beitrag genau das Richtige für dich!

Wein ist sehr vielfältig und kann auf vielen Ebenen beschreiben werden, aber ich bin ja ein Fan davon, Dinge möglichst einfach zu halten. Damit du nie wieder ratlos in der Weinprobe sitzt, musst du dir weder über Nacht ein umfassendes Weinwissen aneignen, noch den endlosen Katalog der Weinbegriffe studieren.

Es gibt nur ein paar Anhaltspunkte, die du dir merken und auf unsere einfache Geheimformel für Weinbeschreibung anwenden kannst.

Vielleicht ging es dir auch schon mal so: Du bist in einem Winetasting und freust dich, dass die Weinauswahl von eine:r Kenner:in getroffen wurde, sodass du nichts weiter tun musst als Zuhören und Genießen. Der erste Wein wird entkorkt. Der Sommelier oder die Winzerin sind Feuer und Flamme, sprudeln schnell vor Begeisterung und werfen anderen Kenner:innen mit grenzenloser
Fantasie Begriffe zu, die dein Gehirn als Fremdsprache einstuft. Du nippst an deinem Glas und driftest ab, aber dein abwesend zustimmendes Nicken wird nicht nur als Randnotiz quittiert - stattdessen wirst du gefragt, wie dir der Wein schmeckt. Was tun? Nach den wortgewaltigen Beschreibungen kommt dir ein einfaches „lecker“ mehr als unangemessen vor. Kein Grund zu resignieren!


Wissen macht Spaß
Obwohl ich Wein liebe und auch früher durchaus den Geschmack und die Eigenschaften verschiedener Weine und Rebsorten unterscheiden konnte, fiel mir eine gute und knackige Weinbeschreibung schon immer schwer. Und so befand ich mich nicht nur ein Mal in so einer misslichen Lage. Irgendwann habe ich mich dahinter geklemmt und festgestellt, dass es für eine Weinbeschreibung weniger Fantasie, sondern viel mehr eine Struktur braucht, an der man sich entlang hangeln kann. Mit ein wenig Wissen macht auch das Probieren und Entdecken doppelt so viel Spaß! Einfach, weil ich bewusst auf so viele neue Eindrücke achte.

Es reicht schon ein paar Eigenschaften im Kopf zu haben, um den Wein einzuordnen. Ein Beispiel: „Dieser Weißwein hat eine klare, helle Farbe mit einem leichten Grünstich und einer eher geringen Dichte. In der Nase überrascht er mit einer angenehmen Frische, leicht fruchtig und angenehm süßlich. Die Säure ist lebendig auf der Zunge und unterstreicht die frischen Fruchtaromen, am Gaumen und im Abgang ist er weich, erdig und leicht herb. Ein harmonischer Wein, der perfekt zu einem warmen Sommerabend passt.“
Wie komme ich nun zu dieser ausführlich wirkenden Beschreibung von Wein?


Die Optik: Farbe und Dichte
Ein Blick ins Glas reicht, um die Farben wahrzunehmen. Ist der Wein hell oder dunkel in seiner Farbe, gelb oder grünlich, flamingorosa oder doch leicht orange, kirschrot oder fast schon schwarz? Du kannst am Glas auch sehen, wie „schwer“ bzw. dicht ein Wein ist. Ein dicker, öliger Rand der sich nach dem Schwenken nur langsam als Ganzes absenkt zeigt eine hohe Dichte. Perlt die Flüssigkeit leicht und schnell nah unten ins Glas, ist es ein leichter Wein mit geringer Dichte.


Geruch: Die Aromen
Ein kurzer Schwenk reicht auch, um dem Wein in einem leichten Schwung seine Aromen zu entlocken. Wie ist der erste Eindruck, woran erinnert dich der Duft? Wenn du nicht gleich bestimmte Früchte, Gewürze oder Blumen bennenen willst, versuch zu verallgemeinern. „Frische Frucht“, „blumig“ oder „intensiv würzig“ sind auch schon erste Anhaltspunkte. Die Gesamtheit der Geruchseindrücke bezeichnet man übrigens als „Bouquet“ - nur für den Fall, dass du doch noch einen Fachbegriff in deine Weinbeschreibung einbauen willst.

Eigenschaften
Frische Früchte und Süße sprechen für einen jungen, einwandfrei vinifizierten Wein. Gehaltvolle Weine haben feine und reife Gerbstoffe (Tannin), fühlen sich eher samtig und weich am Gaumen an und sind vermutlich schon länger gelagert.
Den Geschmack stellen wir im Wesentlichen mit der Zunge und dem Gaumen fest. Dabei konzentrieren wir uns auf die drei wesentlichen Eigenschaften von Wein: Säure, Süße und Tannin. Im Idealfall umspielen und unterstreichen sie die Aromen (Früchte, Gewürze, Blumen) des Weins.

Passende Adjektive für die Beschreibung der Säure: sauer, frisch, lebendig, rassig, spritzig, fade.

Passende Adjektive für die Beschreibung von Süße: warm, weich, fruchtig, blumig, süßlich, mastig, klebrig, eher flach.

Passende Adjektive für die Beschreibung von Tannin: herb, fein, reif, kräftig, vollmundig, gehaltvoll, erdig, samtig, schwer, kratzig.

Harmonie und Abgang
Zeit für ein kurzes Resumée: Waren die Aromen und Eigenschaften Säure, Süße und Tannin gut ausgeglichen oder stand eine davon im Vordergrund? Welcher Geschmack bleibt dir am längsten auf der Zunge und am Gaumen hängen? Das Ziel ist natürlich eine gröstmögliche Harmonie - dann spricht man von einem harmonischen Wein.

Nach Gusto und Gefühl
Am Ende gibst du eine kurze Einschätzung: Hat dir der Wein geschmeckt? Mit welcher Situation oder Aktivität würdest du ihn verbinden? Das Gute dabei: Die Geschmäcker sind komplett verschieden. Du kannst dich also getrost auf deine Intuition verlassen, dir den Wein schmecken lassen und andere mit deiner Weinbeschreibung beeindrucken!


Zusammengefasst führt uns das zu dieser einfachen Formel:
Optik - Geruch - Eigenschaften - Abgang - Bewertung

Probiert es doch einfach mal aus. Holt euch euren Weinliebling und nehmt euch ein paar ruhige Minuten um bewusst zu schmecken, was ihn für euch so besonders macht. Zum Wohl!


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