Was ist ein Cuvée?

Geposted von Fabienne Bürkin am

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Wir müssen reden! Und zwar über einen Wein, der besser ist, als sein Ruf. Die Rede ist vom Cuvée. Erst neulich wurde ich von einer Freundin skeptisch beäugt, als ich meine Begeisterung für Cuvée zum Ausdruck brachte und vom Famoos Weißweincuvée schwärmte. Wieso gilt das, was mir an Wein so viel Spaß macht, für viele nur als liebloser Verschnitt? Offensichtlich gibt es rund um das Thema noch viel Gesprächsbedarf. Zeit für etwas Weinkunde!

Was macht Cuvée Weine so besonders? Welche Eigenschaften unterscheiden sie von sortenreinem Wein und wieso liegt mir so viel daran, den Cuvée von seinem verbesserungswürdigen Image zu befreien? Ganz einfach: Weil er es verdient. Bei Badisch gut leben räumen wir mit den Vorurteilen auf und erklären, was den Cuvée auszeichnet - und wie du nie mehr ratlos vor dem Weinregal stehst.


Cuvée Weine - kurz und einfach erklärt
Bevor es gleich doch etwas ausschweifend wird, das Wichtigste zuallererst: Ein Cuvée bezeichnet einen Wein, der aus zwei oder mehreren Weinen von verschiedenen Rebsorten oder Lagen desselben Jahrgangs gekeltert, also zusammengestellt sein kann. Vereinfacht lässt sich also sagen: Ja, der Cuvée ist ein Verschnitt unterschiedlicher Weine. Diese simple Begriffserklärung
wird dem Cuvée in seiner Komplexität allerdings kaum gerecht und sorgt leider oft für Skepsis.


Die wichtigsten Fakten zum Cuvée auf einen Blick:

  • Ein Cuvée oder Weinverschnitt ist nicht Panschen, sondern gezieltes Kombinieren und Vollenden von Weinen und ihren Eigenschaften durch fachkundige Winzer:innen.
  • Das Ziel des Verschnitts ist die geschmackliche Ausgewogenheit der Aromen und die Steigerung der Qualität.
  • Der klassische Cuvée entsteht aus zwei oder mehr Rebsorten von verschiedenen Weinen. Wächst der Wein jedoch gemeinsam im selben Weinberg und wird zeitgleich verarbeitet, handelt es sich dagegen um einen „Gemischten Satz“.
  • Für die Herstellung von Cuvée gelten folgende Regeln: Nur Weine aus einem Jahrgang, aus derselben Region, demselben Keller oder einer Genossenschaft dürfen verschnitten werden.
  • Die Bezeichnung Cuvée ist nicht geschützt oder klar definiert. Gewissheit schafft nur ein Blick auf das Rückenetikett.

Leider ist die Bezeichnung „Verschnitt“ gerade bei Weinentdecker:innen eher negativ konnotiert, weshalb viele Winzer:innen selbst das Wort „Komposition“ bevorzugen. Das kommt der Sache dann schon wesentlich näher. Tatsächlich zeichnet den Cuvée eine besondere Vielfalt aus. So ein Fläschchen beinhaltet nicht nur viel Wissen über die Eigenschaften von Weintrauben, sondern auch jahrelange Erfahrung des Winzerhandwerks. Denn bei der Herstellung kombinieren

Winzer:innen die Charaktere unterschiedlicher Rebsorten, um eine optimale Balance zwischen Mineralität, Süße, Säure und Aromen zu finden. Aus der Mischung entsteht ein einzigartiges Bouquet mit einem Spektrum, die viele reinsortige Wein allein schlicht nicht abdecken können.
Was liegt also näher, als die Vorzüge verschiedener Weine zu einer Assemblage zu vereinen?

Was viele gar nicht wissen: Zu den wohl bekanntesten Cuvées der Welt zählt auch der Champagner. Obwohl er sein Ansehen auch gutem Marketing verdankt, beruht sein Erfolg im Wesentlichen auf der genialen Kombination aus meist drei sehr unterschiedlichen Rebsorten.


Doch wie schmeckt ein Cuvée denn nun?
Da kann man nur sagen: Die Mischung macht´s. Was einen gelungenen Verschnitt beim Cuvée geschmacklich auszeichnet, ist wie bereits beschrieben ein erhöhtes Maß an Harmonie und Komplexität. Voraussetzung dafür ist selbstverständlich die Arbeit erfahrener Expert:innen und die hervorragende Qualität der Grundweine. Üblicherweise bestimmt eine sogenannte Leitsorte mit einem Anteil von etwa 50 Prozent maßgeblich den Charakter des Weines. Die anderen Weine sorgen dann für den Ausgleich und die Vollendung. Wer viel Wert auf Ausgewogenheit beim Wein legt oder ohne großes Vorwissen nach einem harmonischen Wein sucht, macht mit einem Cuvée garantiert nichts falsch. Die Aromen sind auf einen harmonischen Körper und Abgang, ein angenehmes Mundgefühl sowie die Balance von Frucht, Säure und Bitterstoffen abgestimmt. Ein Cuvée weiß eben, wie man dem Gaumen schmeichelt.


Sortenreine Weinen sind da etwas eigensinniger. Es erfordert schon ein gewisses Grundwissen über verschiedene Trauben, um zu wissen welche Hauptmerkmale bei den entsprechenden Weinen im Vordergrund stehen. Greift man hier ohne Plan ins Weinregal, muss man sich wohl oder übel vom Charakter überraschen lassen. Übrigens ist echte Sortenreinheit mehr Prestige als Realität. Ein Gesetz räumt europaweit den meisten Weinen (ohne geschützte Herkunftsbezeichnung) durch den sogenannten „bezeichnungsunschädlichen Verschnitt“ einen Spielraum ein, zum Ausgleich von Geschmack und Qualität. Bekanntermaßen ist das Wetter launisch und der Klimawandel tut dazu sein übriges. Schwankungen in verschiedenen Jahrgängen des gleichen Weines sind daher nicht unüblich. Deshalb dürfen auch einem sortenreinen Wein bis zu 15 Prozent eines beliebigen anderen Weines einverleibt werden.


Woran erkenne ich einen Cuvée? Der Versuch einer Begriffserklärung.
Cuvée ist nicht gleich Cuvée. Es kommt auf den kulturellen und regionalen Kontext an. Vermutlich ein Grund, weshalb der Cuvée besonders im deutschsprachigen Raum seinen Ruf als billiger Verschnitt weg hat: Gerade im deutschen Sprachgebrauch wird selten zwischen Cuvée und Assemblage unterschieden. Ersteres meint ganz pragmatisch den Verschnitt an sich, der nicht zwangsläufig zur Steigerung der Qualität führt. Eine Assemblage dagegen beschreibt das wohldosierte Verschneiden zur geschmacklichen Verbesserung. Beide Begriffe werden aber weitgehend synonym genutzt und meinen ein qualitativ hochwertiges Erzeugnis.


Auch abseits der Champagne nutzen Weingüter die Bezeichnung Cuvée gern, um die exquisite Qualität ihrer Produkte hervorzuheben. In Frankreich wird der Begriff für jede Abfüllung innerhalb eines Weinguts genutzt, egal ob sortenrein oder verschnitten. Besonders irreführend ist das, wenn der Wein dann als „Grand Cuvée“ etikettiert wird. In der Regel gilt dieser Wein dann einfach nur als
Empfehlung des Hauses. Einen expliziten Hinweis auf einen Verschnitt gibt es jedoch weder in Frankreich, noch in Italien, Deutschland oder in den USA. Da der Begriff international nicht klar definiert oder rechtlich geschützt ist, kann er allein nicht zwingend als bestimmtes Produkt oder gar als Qualitätsmerkmal angesehen werden. Klarheit schafft meistens nur ein Blick auf das
Rückenetikett eines Weines.

Deutschland wäre aber nicht Bürokratieweltmeister, wenn nicht auch hier die leichte Zwangsneurose zur Ordnung gesiegt hätte. Das Gesetz erlaubt es, zwei Rebsorten gleichberechtigt auf ein Etikett zu drucken. Somit gehört es bei einem Cuvée aus zwei Rebsorten zum guten Ton, diese auch beide zu betiteln. Sobald aber mehr Rebsorten mitmischen, ist die Angabe auf dem Etikett nicht mehr gestattet. Weitere Regeln gelten nach EU-Verordnung für die Herkunftsbezeichnung: Wenn auf dem Etikett eine bestimmte Region genannt wird, müssen auch alle verschnittenen Weine aus diesem Anbaugebiet kommen.

Übrigens sind Cuvée Weine eher in den südlichen Regionen sehr verbreitet. Viele der beliebtesten Spitzenweine sind Cuvées. In einer Reihe mit dem Champagner stehen zum Beispiel Bordeaux, Chianti und Rioja. In nördlichen Anbaugebieten, wie Deutschland und Österreich, werden Weine nicht so häufig verschnitten - also auch in der Weinregion Baden. Das ist vor allem den
klimatischen Verhältnissen geschuldet. In kühleren Gebieten werden Weine oft von Haus aus vielschichtiger im Geschmack. Deshalb sind wir besonders stolz auf unsere badischen Cuvées im Sortiment von Badisch gut leben.

2018er Edition Terroir Gewürztraminer & Riesling Qualitätswein

2019er Famoos Weißweincuvée, trocken

2019er Weißer Burgunder & Chardonnay "Alte Reben" trocken


Wein Cuvée: Das Beste aus vielen Weinen
Abschließend kann ich nur sagen: Wenn ihr es noch nicht getan habt, gebt dem Cuvée unbedingt eine Chance! Gerade bei badischem Wein vereint der Cuvée das Beste aus den vorhandenen Rebsorten und holt in einer einzigartigen Komposition das Optimum aus ihnen heraus. Welche Erfahrungen mit Cuvée habt ihr gemacht? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.


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